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111221 Bad öffnet wieder im März

 

Von Stefan Mülders
HEILIGENHAUS „Ob ein Unternehmen wirtschaftlich arbeitet, hängt weniger von seiner Größe als vielmehr davon ab, wie schnell es sich neuen Entwicklungen stellt“, sagt  Dr. Rolf Ludwig, der zum Ende des Jahres seinen Schreibtisch als Geschäftsführer der Stadtwerke Heiligenhaus räumt. Damit meint er sowohl die aktuellen Entwicklungen im Energiemarkt wie auch die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen, zum Beispiel bei der Frage des Anbieterwechsels. Auch auf die aktuellen Probleme im Heljensbad scheint seine Aussage zuzutreffen, denn die Prüfung im Sommer war im Endeffekt mehr als eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Ein Rückblick: Alles begann mit den großen Schneemassen des Winters 2010/2011. Prominente Ereignisse aus anderen Regionen Deutschlands mahnten zur Vorsicht und mit Hilfe eines Tragewerksplaners wurde ein Räumplan für das Dach des Schwimmbades erstellt und umgesetzt. Die notwendige grundsätzliche Prüfung stellte die Stadtwerke vor Probleme: Der Spezialist für ein derartiges Holzbauwerk war schwer zu finden. Erfolg hatte man schließlich beim TÜV Rheinland in Köln. Ende Juli schließlich lag der Bericht vor, der zwar Handlungsbedarf erkannte, das „Wie“ aber noch nicht näher benannte. Der Auftrag zu Erstellung eines Sanierungsplans, dem sogenannten „Tragwerkkonzept“, ging nur knappe zwei Wochen später raus. „Schon zu diesem Zeitpunkt wussten wir, dass eine Wiedereröffnung im September nicht zu realisieren war“, sagt Architekt Waldemar Madeia, der das Gesamtprojekt betreut und überwacht. „Wir konnten damals von einer Verzögerung bis November ausgehen.“ Dass dies nicht klappte, hatte mit verschiedenen Unwägbarkeiten zu tun, die im Laufe der Bearbeitung durch das vom TÜV Rheinland bestellte Büro Grebner Ruchay auftraten. Mehrere Experten mussten zusätzlich hinzugezogen werden, ehe Ende Oktober endlich die „prüffähige statische Berechnung“ vorlag. Und der Begriff sagt es schon: Prüffähig bedeutet, dass noch eine weitere Instanz ins Spiel kommt. In diesem Fall ein Ingenieurbüro aus Wuppertal, dessen Ergebnisse Ende November vorlagen. Auch die Genehmigung durch die Bauaufsicht Heiligenhaus war noch abzuwarten, ehe die ausführende Spezialfirma Holzleimbau Derix überhaupt das notwendige, eigens für das Heljensbad hergestellte, Baumaterial ordern konnte. So können die eigentlichen Sanierungsarbeiten tatsächlich erst am 2. Januar beginnen. Doch ganz untätig war man in dieser Zeit im Bad nicht. „Im Laufe der Jahre sind immer mal wieder Ergänzungen an der Elektrik vollzogen worden“, sagt Madeia. „Die geöffnete Decke haben wir nun dazu genutzt, diese erneut zu sichten und insgesamt zu optimieren.“ Eine neue Farbgebung einzelner Elemente wird ein weiterer positiver Nebeneffekt sein.
Die Kostensituation habe sich durch die Verzögerungen nicht verändert. Madeia beziffert die weiter auf rund 300.000 Euro, wovon die eigentlichen Sanierungsarbeiten am Holz den geringsten Teil ausmachen. Eine dauerhafte Schließung des Bades war nie ein Thema. „Beim Zehnfachen der Summe hätten wir eine andere Empfehlung machen müssen.“ So aber gehen Waldemar Madeia und Dr. Rolf Ludwig von einer Wiedereröffnung Anfang März aus. Dann sollten alle Gerüste abgebaut, das Wasser eingelassen und erwärmt sein. Höhere Eintrittspreise wird es dann übrigens nicht geben.

Die Ereignisse
27. Juli Abschlussbericht zur Prüfung des Tragwerkes liegt vor (TÜV Rheinland, Grebner Ruchay)
6. August Auftrag zur Erstellung eines Sanierungs- und Kostenplans wird erteilt
27. Oktober Sanierungs- und Kostenplan (Prüffähige statische Berechnung) liegt vor (TÜV Rheinland, Grebner Ruchay)
Ende November Prüfung abgeschlossen und Baugenehmigung erteilt
Anfang Dezember Bestellung der Baumateralien  durch die ausführende Firma Holzleimbau Derix aus Niederkrüchten
ab 2. Januar Beginn der eigentlichen Sanierungsarbeiten (Holzleimbau Derix)
ab 18. Januar Wiederaufbau der Lüftungsanlagen, Aufräumarbeiten, Reinigung, Wasser einlassen, Wasser aufwärmen
Anfang März Wiedereröffnung des Heljensbades. Die im Sommer übliche Schließung wird erst mit Beginn der Sommerferien (9. Juli) erfolgen.

Ludwig verlässt ein gesundes Unternehmen
HEILIGENHAUS (stemu) Dr. Rolf Ludwig ist sich sicher, ein gesundes Unternehmen zu verlassen. Auch die Auswirkungen der Heljensbad-Sanierung sieht er nicht dramatisch. „Der Saunabetrieb als wichtigster Einnahmezweig war nicht eingeschränkt“, sagt er. Was die Einnahmeverluste im Bad selbst angeht, so sind die gegen geringere Betriebskosten aufzuwiegen. Das Personal hat Mehrarbeit und Urlaub abgebaut, nicht benötigte Kräfte werden zurzeit nach Velbert ausgeliehen.
In anderen Geschäftsbereichen wird man sich auch zukünftig den Herausforderungen früh stellen. „Bis April schaffen wir die Rahmenbedingungen für die EU-Richtlinie zum Lieferantenwechsel“, blickt Michael Scheidtmann, der kommissarisch die Aufgaben von Ludwig übernehmen wird, auf seine anstehenden Aufgaben. „Die Abläufe rund um die monatliche Kündigungsfrist haben sich gerade erst eingespielt, da müssen wir die EDV erneut umstellen und unsere Mitarbeiter daraufhin schulen.“ Anbieterwechsel sollen täglich möglich gemacht werden, mit dreiwöchiger Kündigungsfrist. „Die Energiewende ist momentan eher ein Thema für die großen Erzeuger“, sagt Dr. Rolf Ludwig. Technische Entwicklungen zu verfolgen sei für die Stadtwerke als Wärmelieferant aber durchaus von Interesse. „Insgesamt können kleine Unternehmen sogar viel schneller und flexibler reagieren als die großen.“ Weil die zurzeit ihre eigenen Probleme zu bewältigen haben, sieht Ludwig mittelfristig nicht die Gefahr eines Verkaufes der Stadtwerke Heiligenhaus. Das sei auch politisch nie ein Thema gewesen. „Man muss aber schon die Wirtschaftlichkeit stets überprüfen. Schon jetzt kooperieren wir in einigen Bereichen wie der EDV oder dem Einkauf mit anderen Unternehmen. Hier muss man für Weiterentwicklung immer offen sein.“  

KOMMENTAR
Alles, nur kein Pfusch am Bau
Manch einem Außenstehenden mag es wie eine Posse vorkommen, die Geschichte rund um die Dachsanierung des Heljensbades. Mehrfach wird der Termin der Wiedereröffnung nach hinten verschoben, Schulen und Vereinen fehlt über Monate hinweg die für die Schwimmausbildung benötigte Wasserfläche. Beim Blick ins Innere entsteht der „da-passiert-nix-Eindruck“. Aus der Reserve gelockt haben die Verantwortlichen dann sehr klare und nachvollziehbare Gründe für die lange Schließung parat. Es darf auch durchaus pingelig erscheinen, was Architekt Waldemar Madeia mit höchster planerischer Genauigkeit in Angriff genommen hat. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: „Pfusch am Bau“ will sich schließlich niemand vorwerfen lassen und steht einer Kommune auch nicht gut zu Gesicht. Da sind einige Wochen auf dem Trockenen allemal besser als später einstürzende Dachbauten mit Personenschaden.

Stefan Mülders



Autor: Muelders -- 07.02.2012; 00:12:54 Uhr

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