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180609 Traditionslokal sucht Nachfolger

 

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Im Werkerwald bleibt ab Monatsende die Küche kalt. Zumindest, bis eine geeignete Nachfolge gefunden ist.
VON STEFAN MÜLDERS
HEILIGENHAUS Ein leckerer gemischter Salat auf Kosten des Hauses zum Aperitif, immer ein nettes Wort und Zeit für den Schnack über Gesundheit und Wohlbefinden: Schweren Herzens werden Josefine und Peter Wissmann am 24. Juni zum letzten Mal die Türe zum Werkerwald am Ortseingang von Heiligenhaus öffnen. Gerne hätte das Ehepaar, das die Traditionsgaststätte seit fast neun Jahren betreibt, weiter gemacht. Aber die Gesundheit spielt nicht mehr ganz mit. Und so ist für die 63-Jährige und ihren zehn Jahre älteren Mann bald Schluss. „Erst mal auskurieren“, sagt Josefine Wissmann. „Und für die Zeit danach habe ich noch keine Pläne.“ Aber kaum vorstellbar, dass die gebürtige Kärntenerin dann nichts mehr machen wird.
Auch wenn ihr beruflicher Weg sie immer wieder mal in andere Richtungen trieb, so hing das Herz von Josefine Wissmann doch immer an der Gastronomie. Ihr Vater war Land- und Gastwirt und von ihm hatte sie die Leidenschaft dafür wohl geerbt. Als einziges von fünf Geschwistern suchte sie sich diesen Beruf aus, lernte in der Heimat Köchin und Kellnerin, ehe es sie der Liebe wegen nach Velbert verschlug. „Aber der Mann, für den ich 1983 hierher gekommen war, entpuppte sich dann doch nicht als der Richtige.“ Stattdessen lernte sie 1986 Peter kennen und lieben, vier Jahre später wurde geheiratet. Die tatkräftige „Zuwandererin“ betrieb in Velbert zunächst einen Kiosk, später einen Kräuter- und Gewürzeladen auf der Friedrichstraße, jobbte im Blumenladen und als Kellnerin, in einer Kantine und in Cafeteria und Shop im Klinikum Niederberg. Vor 20 Jahren machte sie sich als Clubwirtin beim Tennisclub Blau-Weiß selbstständig und einen Namen in Heiligenhaus. „Elf Jahre später habe ich die Pacht gekündigt, um noch mal für eine Zeit in die Heimat zurückzukehren.“ Doch schon ein halbes Jahr später war sie wieder da: Als Wirtin im Werkerwald. „Dieter Westermann rief mich damals an und meinte, ich sei doch gelangweilt und der Werkerwald würde auf mich warten.“ Das war der Zeitpunkt, als dann auch Ehemann Peter, inzwischen Rentner, fest ins Gastronomiegeschäft mit einstieg – er hinterm Tresen und sie in der Küche. Ein Duo, das die Gaststätte im Sinne der Westermanns als vorherige Betreiber und Eigentümer weiterzuführen wusste, Stammgäste hielt und neue hinzu gewann. Kommunion, Taufe, Goldene und Diamante Hochzeiten, Geburtstage: Viele Festivitäten fanden neben dem Tagesgeschäft immer wieder Platz – ein Höhepunkt sicher die Feier des 100. Geburtstag eines Stammgastes. Zahlreiche selbstgemalte Bilder an den Wänden zeugen von zufriedenen Kindern, die im Werkerwald zu Gast waren. „Die Pia, die mir als Sechsjährige das erste dieser Bilder geschenkt hat, ist inzwischen 13 Jahre alt und mit bereits über den Kopf gewachsen“, erinnert sich Peter Wissmann.
Mit so viel Leidenschaft, wie die Wissmanns den Werkerwald lebendig hielten, soll auch eine potenzielle Nachfolge das Lokal weiter betreiben. Helga und Dieter Westermann führen bereits Gespräche, aber noch ist kein neuer Betreiber gefunden. „Wir wünschen uns jemanden, der oder die wie bisher gute Küche und guten Service miteinander zu verbinden weiß und was vom Fach versteht“, sagt Dieter Westermann, der den Werkerwald gemeinsam mit seiner Frau 32 Jahre lang selbst betrieben hatte. „Die Art der Küche ist uns letztendlich egal, da reden wir niemandem rein. Aber Qualität muss sein.“

Inneneinrichtung wird überlassen
Seit 98 Jahren befindet sich der Werkerwald an der Ratinger Straße im Besitz der Familie Westermann. Auch wenn es schon Gäste gegeben haben soll, die mit der Inneneinrichtung nicht zufrieden waren, so sorgt sie erst für den besonderen Flair. Deshalb soll das Interieur auch erhalten bleiben, wird ohne Abstandszahlung überlassen. Eine komplette Neugestaltung der Räumlichkeiten können Helga und Dieter Westermann sich nicht vorstellen. Interessenten melden sich direkt unter 0176 20301052 oder per E-Mail dieter_westermann@t-online.de.



Autor: Muelders -- 09.06.2018; 10:03:48 Uhr

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